Schneller, härter, lauter - aber bitte gut geschützt!

Da der Sommer, auch Festivalsaison genannt, da ist und wir alle schon voller Vorfreude auf das kommende Wochenende sind (es wird gehörnert werden!), hole ich einen alten Gastbeitrag wieder aus der Versenkung hervor.

Vor bald drei Jahren schrieb ihn die liebe Dance Withdevils, ihres Zeichens Hörgeräteakustikermeisterin, für uns. Und zwar geht es um unsere heißgeliebten Lärmschutzkopfhörer, die wir leider viel zu selten auf Veranstaltungen zu sehen bekommen. Mittelalterliches Spectaculum, Wacken, Hörnerfest (das trotzdem gelobt werden muss: beim Einlass zur Bühne wurden wir bisher jedes Mal nach Gehörschutz gefragt und eine kleine, ungeschützte Feundin bekam Oropax geschenkt), Wacken...
Wenn Mama und Papa Musik lieben, muss das Kind halt mitziehen, gar kein Problem - aber doch bitte gut geschützt.

Hier also ein paar Worte vom Profi dazu:


"Oh ein Blog... aber mal einer mit nettem Namen und tollem Untertitel. Dafür!
Ist das nicht die Kleine, die du vor Jahren schon mit den Mickey Mäusen - nichtfachliches Fachwort für Gehörschutz, das den Meisten zumindest eine Ahnung gibt, wovon gesprochen wird - auf einer Veranstaltung gesehen hast? Ja.
Endlich mal eine Familie mehr, die es durchzieht! Yes! Ich bin Hörgeräteakustikmeisterin und freue mich diebisch über jedes Baby oder Kind - und auch jeden Erwachsenen, den ich mit Gehörschutz sehe.

Nun mag das daran liegen, dass ich
 
a) selber, wahrscheinlich durch Vererbung, von klein auf schwerhörig bin
b) diese "Berufskrankheit" habe oder
c) ich einfach sensibel dafür bin und es niemandem wünsche, unnötig mit dem Thema Hörgerät konfrontiert zu werden.

Aber es ist leider nun mal so, dass Lautstärke und ihre Auswirkung oft unterschätzt wird und man einfach nicht bedenken mag, dass einige Schäden in unserem Körper irreparabel sind.
 
Unser Gehör, so genial es auch ist, kann nicht abgeschaltet werden und arbeitet 24 Stunden, sieben Tage die Woche. Dabei leistet es deutlich mehr Arbeitsstunden als Augen oder einige Muskeln, aber ist eben auch filigran und empfindlich.
Wir hören im Grunde dadurch, dass Schallwellen umgewandelt werden und Sinneshärchen umbiegen, die das ganze in Nervenimpulse umwandeln. Ist ein solches Sinneshärchen erst einmal so stark "gebogen" worden, dass es einen Knick wie eine Ähre bekommt, dann richtet es sich nicht mehr auf und kann keine Reize weiterleiten. Unwiederbringlich.
Das kann sowohl bei leiser Lautstärke in einer langen Zeit passieren (dann haben wir die angeblichen typischen alten Leute, die ein Hörsystem brauchen) oder auch bei hoher Lautstärke nach einer sehr kurzen Zeit ("Knalltrauma").
 
Mit Gehörschutz kann man das wirksam verhindern, auch ohne Klangeinbußen zu haben - dafür können spezielle Filter sorgen, die nicht wie Taschentücher in den Ohren nur einen Frequenzbereich abdämpfen und den Klang verzerren und die Sprache auch manchmal undeutlicher machen.
Gerade für Musikliebhaber ist das wichtig! Fragt mal, wie skeptisch ein guter Freund von mir, der von Beruf DJ ist, war, als ich ihm ein Gehörschutzpaar vorgeschlagen habe! Inzwischen steckt es beim Festival immer in der Kutten-Tasche.
 
Ich kann also nur empfehlen, von klein auf Gehörschutz zu tragen und auch, wenn die Musik, die wir lieben gerne lauter sein darf als welche, die wir nicht mögen.
Die Ausrede, dass die Eltern die Mickey Mäuse immerzu tragen müssten, wird auf den Bildern tatkräftig entkräftet, denn sie passen wunderbar um jede Kindertaille und sind dann auch kaum störend.
 
Also Leute, traut euch, Akustiker beißen nicht! Da gibt es auch Gehörschutz!"
 
 
 

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